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Wundermittel Fahrrad – Teil 2 – Herz, Durchblutung und Muskeln

Kaum ein Fortbewegungsmittel ist so vielseitig und praktisch wie das Fahrrad. Während einige Vorzüge des Radfahrens, besonders im innerstädtischen Bereich offensichtlich sind, sind andere positive Effekte eher vage. Dass man mit dem Fahrrad seltener im Stau steht, leichter einen Parkplatz findet und auf einigen Strecken sogar schneller ist als mit dem Auto oder der Straßenbahn ist klar. Dass Radfahren gesund und umweltfreundlich ist auch. Doch wieso eigentlich?

Teil 2: Herz, Durchblutung und Muskeln

Neben den im ersten Teil der Serie “Wundermittel Fahrrad” beschrieben positiven Effekten des Radfahrens besonders auf das seelische Wohlbefinden, kann durch regelmäßiges Radfahren beinahe jeder Teil des Körpers profitieren. Zivilisationskrankheiten, die oftmals durch Bewegungsmangel entstehen, betreffen oftmals das Herz-Kreislaufsystem. Laut einer im September 2018 erschienenen Studie der WHO bewegen sich weltweit etwa 1,4 Milliarden Menschen in ihrem Alltag zu wenig. Eine Empfehlung, um gegen diesen Zustand vorzugehen, ist häufiger das Fahrrad zu benutzen. Sie können also ihre Gesundheit durch Radfahren schützen. Menschen mit einer “moderaten körperlichen Aktivität” (150-750 Minuten pro Woche) hätten ein um 20% verringertes Sterberisiko, als weniger aktive Menschen. Bei Menschen die mehr als 750 Minuten pro Woche körperlich aktiv waren sank das Sterberisiko sogar um bis zu 35%. Bei einem mit dem Fahrrad zurückgelegten Arbeitsweg von 25 Minuten pro Strecke käme man pro Woche bereits auf eine Zeit von 250 körperlich aktiven Minuten. Doch wie sinkt das Sterberisiko durch das Radfahren?

 

Radfahren und das Herz

In seiner Studie fand Prof. Dr. Ingo Froböse heraus, dass regelmäßiges Radfahren das Herzinfarktrisiko um bis zu 50% reduzieren kann. Die Bewegung beim Fahrradfahren sorgt dafür, dass wichtige Herzfunktionen, wie das Schlagvolumen und die Frequenz, sowie die Durchblutungssituation des Herzmuskels positiv beeinflusst werden. Das Herz wird trainiert und damit belastbarer. Die Herzschlagfrequenz in Ruhe wird reduziert und das Herzzeitvolumen herabgesetzt. Um ein optimales Training für das Herz zu gewährleisten, sollte die Beanspruchung durch Bewegung pro Woche etwa 2000 kcal betragen. Das Radfahren hat außerdem einen Einfluss auf den Fettstoffwechsel und hilft so, Krankheiten vorzubeugen, die bei zu hoher Fettzufuhr entstehen können. Dazu gehören Bluthochdruck, Adipositas und Ateriosklerose. Radfahren trägt über die Regulation des Fettstoffwechsels außerdem dazu bei, die Verkalkung der Blutgefäße zu stoppen und die Cholesterinwerte zu optimieren.

 

Radfahren und Bluthochdruck

Bluthochdruck kann der Grund für weit verbreitete Todesursachen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle sein. Jedoch sind nur 10-20% der PatientInnen von genetisch bedingtem Bluthochdruck betroffen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass 80% der Menschen mit Hypertonie unter anderem durch Bewegung gegen die Krankheit vorgehen können. Dabei ist zu beachten, dass es mit der körperlichen Anstrengung nicht übertrieben wird und man sich auf moderate Bewegungsformen beschränkt. Dazu gehört das Radfahren, da die Betroffenen in einem selbstgewählten Tempo und Anstrengungsgrad radeln können. Dies hat positive hormonelle Veränderungen zum Vorteil, stärkt das Herz, sodass der Blutdruck sinkt und verringert so die Gefahr eines Schlaganfalls oder Herzinfarktes.

 

Radfahren und Durchblutung

Durch die Nutzung des Fahrrads wird die Lungenmuskulatur gestärkt, wodurch eine bessere Ventilation erzeugt und ein besserer Sauerstoffaustausch bewirkt werden. Die Muskeln werden besser mit Sauerstoff versorgt und die Blutgefäße weiten sich. Die allgemeine Durchblutung wird somit angeregt und gestärkt.

Es ist besonders darauf zu achten dass die Bewegung gerade im Alltag nicht zu kurz kommt. Dafür eignet sich das Fahrrad besonders gut, da es Sportgerät und Fortbewegungsmittel in einem ist. Auch weil beim Radfahren je nach Leistungsstand der Anspruch an den Körper verändert werden kann, eignet sich das Fahrrad zum Fitnesstraining und als Transportmittel für AnfängerInnen und fortgeschrittene RadlerInnen.

Weitere Daten zum Thema Bewegungsmangel: https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(18)30357-7/fulltext

 

Zum dritten Teil der Serie zu den Themen Fettverbrennung, Abnehmen und Knochen gelangen Sie hier!

 

Anmerkung: Die genaue Auswirkung des Radfahrens auf den Körper ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt vom jeweiligen Trainingsstand, eventuellen chronischen bzw. Vorerkrankungen und Faktoren wie Geschlecht, Ausrüstung und weiteren Umständen ab. Die generellen Aussagen dieses Textes, die auf der Studie von Prof. Dr. Ingo Froböse beruhen, sind jedoch auf die überwiegende Mehrheit der Einzelfälle übertragbar. Zu medizinischen Fragen und Ratschlägen konsultieren sie bitte Ihren Arzt.

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