Auswirkungen von Radfahren auf das Krebsrisiko und Immunsystem

Die Effekte der Bewegung

Die positiven Effekte von Bewegung sind auf eine Veränderung des peripheren Blutbildes, also der im Blut befindlichen Blutzellen zurückzuführen. Der Körper schüttet vermehrt das Hormon Adrenalin aus und bewegt so die Abwehrzellen dazu, sich schneller zu vermehren. Das zelluläre Immunsystem reagiert mit einer erhöhten Produktion von Immunabwehrzellen (den Leukozyten) und einem drastischen Anstieg der NK-(Natürlichen Killer-) Zellen, die für die Abwehr von Tumorzellen und virusinfizierten Zellen eine wichtige Rolle spielen. T- und B- Lymphozyten sind auch vermehrt im Blut vorhanden. Des Weiteren kommt es zu einem Anstieg der Akut-Phase Proteine (Lokalisierung der Entzündung, Verhinderung der Ausbreitung und Unterstützung des Immunsystems bei der Sanierung des Entzündungsherdes) sowie zu einem 24-48 Stunden nach der Belastung erhöhten Interleukin-2- Rezeptorspiegel, was für eine zusätzliche Aktivierung des Immunsystems spricht.

Durch die Reize, die durch moderate Bewegung gesetzt werden, wird das Immunsystem gestärkt, indem potentiell schädliche Zellen effizienter beseitigt werden und die Lymphozytenaktivität steigt. So sind bei Freizeitsportlern häufige Infektionskrankheiten der Atemwege wie Erkältungen, Entzündungen des Rachens und der Mandeln deutlich seltener als bei Nichtsportlern.

Nach der Belastung, wenn der Adrenalinspiegel im Blut wieder sinkt, verringert sich auch die Konzentration der Abwehrzellen wieder – sogar kurzzeitig unter Ausgangsniveau. Man spricht hier von dem sogenannten „open Window“, in welchem man besonders nach zu intensiver Betätigung, zum Beispiel nach einem Wettkampf oder bei zu kurzen Erholungspausen, einem erhöhten Infektrisiko ausgesetzt sein kann. Hier ist erhöhte Vorsicht geboten, sich nicht unnötig durch zu dünne Kleidung eine Infektion einzufangen.

Krebsprävention

Das Thema Krebsprävention durch Bewegung ist noch etwas heikel. Die durchgeführten Studien konnten bisher keine klare Antwort darauf geben, ob sich körperliche Aktivität positiv auf das Erkrankungsrisiko auswirkt. Das liegt unter anderem daran, dass Krebs eine sehr komplexe Krankheit ist und es davon über 100 verschiedene Varianten gibt. Auch liegt es daran wie die Studien durchgeführt wurden. Werden zusätzliche Risikofaktoren wie Gewicht, Ernährung und Rauchverhalten nicht berücksichtigt, können unterschiedliche Resultate beobachtet werden. Zum Beispiel beim sog. Mammakarzinom (Brustkrebs) zeigten 15 von 22 Studien einen positiven Effekt, fünf Studien zeigten keinen Unterschied und zwei Studien zeigten ein erhöhtes Risiko. Bei anderen Krebsarten wie dem Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) gab es keine erkennbaren Zusammenhänge. Wissenschaftler vermuten, die Risikoreduktion ist auf indirekte Mechanismen wie eine z.B. gesteigerte Darmaktivität und damit kürzeren Kontaktzeiten mit krebserregenden Stoffen oder einem reduzierten Körpergewicht zurückzuführen. Ein weiterer Zusammenhang besteht darin, dass sportlich aktive Menschen häufig auch einen gesünderen Lebensstil pflegen und weniger Alkohol und Tabak konsumieren. Bei der Behandlung eines akuten Karzinoms oder bei der Nachbehandlung sind die Effekte durchaus positiver.

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